Ein lustiges Video · 12 Sekunden
Wenn das Video endet
Joni sieht einen tanzenden Kakadu und will sofort so einen. Das hier ist die Geschichte danach — in 52 Bildern, zum Vorlesen.
Geschichte beginnen
Der Vogel auf dem Bildschirm wippte mit dem Kopf, riss die Flügel auf und kreischte mit.
1
Joni schaute es siebenmal an. Beim achten Mal flüsterte er: „So einen will ich auch.“
2
In Mathe malte er einen Kakadu an den Rand vom Heft. Der Lehrer sagte seinen Namen zweimal.
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In der Pause zeigte er allen das Video. „Meiner wird genau so tanzen“, sagte er. „Nur besser.“
4
Beim Abendessen fragte er. Beim Zähneputzen fragte er. Am Samstag fragte er noch einmal.
5
Mama sah Papa an. Papa sah auf den Boden. Am Sonntag fuhren sie los.
6
Der Laden roch nach Sägespänen. Vorne quiekten die Meerschweinchen.
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Ganz hinten, zwischen zwei Regalen, stand ein Käfig mit einem weißen Vogel darin.
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Er saß still. Er sah nicht zu ihnen her. „Mama, Papa, schaut mal!“, rief Joni. „Genau den da!“
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Auf der Rückbank hielt Joni den Karton fest. Alle zwei Minuten schaute er durch das Loch.
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Zu Hause stellten sie den Käfig ans Fenster. Joni setzte sich davor und wartete auf das Tanzen.
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Der Vogel drückte sich in die Ecke und zitterte.
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„Warum macht er nichts?“, fragte Joni. Niemand antwortete. Der Vogel auch nicht.
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Im Zimmer war es so still, dass Joni die Uhr in der Küche ticken hörte.
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Joni machte das Video noch einmal an, ganz laut, und hielt das Handy an das Gitter. Der Vogel drehte sich weg.
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Am Montag war die Körnerschale voll. Am Dienstag auch.
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Am Mittwoch zählte Joni die Körner, damit er ganz sicher war. Es fehlten vier.
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„Papa“, sagte Joni. „Ich glaube, ich habe etwas falsch gemacht.“
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Papa ging vor dem Käfig in die Hocke und schaute lange hin. „Nein“, sagte er. „Wir haben etwas falsch gemacht.“
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Mama saß bis nach Mitternacht am Laptop.
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Seite um Seite stand dasselbe: Platz. Gesellschaft. Beschäftigung.
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Sie fanden ein anderes Video: Kakadus über einem Wald, hunderte auf einmal, laut wie ein Sturm.
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Der Käfig im Wohnzimmer war so breit wie Jonis Arm. Joni sagte nichts mehr.
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Papa schrieb drei Zahlen auf einen Umschlag. Vier Meter. Zwei Meter. Zweieinhalb Meter.
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Am Samstag fuhren sie wieder los. Diesmal nicht zum Tierladen.
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Pfosten, Draht, Schrauben. Es passte nicht ins Auto. Der Mann brachte es mit dem Anhänger.
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Sie gruben das erste Loch in den Garten. Joni hielt den Pfosten gerade, Papa schaufelte.
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Am zweiten Tag regnete es. Sie bauten weiter.
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Am Sonntagabend stand sie. Höher als Papa. Breiter als das Wohnzimmer.
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Sie stellten Äste hinein, ein Seil, eine Schaukel und ein Häuschen. Die Tür ließen sie offen.
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Sie trugen den Käfig in den Garten und machten ihn auf. Er kam nicht heraus.
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In der Nacht kam er heraus. Am Morgen saß er auf dem obersten Ast.
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Er breitete die Flügel aus. Ganz auf. Und legte sie wieder an.
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Joni holte ein Buch und setzte sich ins Gras. Er las nicht laut vor. Er starrte nicht hin. Er war einfach da.
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Nach elf Tagen hörte Joni ein Kratzen.
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Der Kakadu war ans Gitter gekommen und sah ihn an, ganz aus der Nähe. Joni rührte sich nicht, bis sein Fuß einschlief.
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Am nächsten Morgen fehlte ein Stück Apfel.
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Er hielt es in der Kralle und knabberte, während er Joni ansah. Joni frühstückte im Stehen, damit er nichts verpasste.
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Er kletterte auf den obersten Ast und schaute hinunter. Dann wieder runter. Dann wieder rauf.
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Am Abend lagen drei zerkaute Holzstücke am Boden.
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Es war ein Mittwoch, kurz vor dem Abendessen. Ein kleiner Ton. Kein Lied, kein Kreischen — nur ein Ton.
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Joni ließ die Gabel fallen.
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Papa hängte ein Blatt an die Tür. Locker aufgeplustert heißt: Mir geht es gut. Dünn und eng am Körper heißt: Geh bitte einen Schritt zurück.
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Joni hielt die Hand hin und zählte in Gedanken bis zehn.
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Bei sieben stieg der Kakadu auf. Er war schwerer, als Joni gedacht hatte.
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Er zerlegte sein Spielzeug in vierzehn Teile, hing kopfüber am Seil und ließ sich fallen. Zum ersten Mal machte er Krach. Richtigen, lauten Krach.
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„Er war nie kaputt“, sagte Mama. Er hatte nur gewartet, bis es sicher war.
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„Ich dachte, er muss lustig sein“, sagte Joni. „Und jetzt?“, fragte Papa. Joni überlegte lange. „Jetzt muss ich aufpassen, dass es ihm gut geht.“
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In der Schule durfte Joni vor der Klasse erzählen. Er zeigte kein Video. Er erzählte von den vier Körnern.
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„Einer ist einer“, sagte Mama, und griff zum Telefon.
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Im Frühling kam eine zweite. Von jemandem, der sie nicht mehr halten konnte.
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Drei Tage saßen sie auf verschiedenen Ästen. Am vierten auf demselben. Jonis Handy lag auf dem Gartentisch, mit dem Bildschirm nach unten. Dann machte einer von ihnen wieder diesen kleinen Ton.
52
Ende der Geschichte
Wusstest du schon?
- Kakadus sind sehr intelligente Tiere.
- Ein kurzes Video zeigt nicht die ganze Wahrheit.
- Ein kleiner Käfig kann ihrer Gesundheit schaden.
- Kakadus leben viele Jahrzehnte und brauchen richtige Pflege.
- Sie sind keine Spielzeuge, sondern Lebewesen.
Ein Hinweis für Eltern
Zu den Illustrationen: Die Bilder in diesem Buch dienen der Geschichte — sie sind kein Leitfaden für artgerechte Papageienhaltung. Manche Szenen zeigen absichtlich schlechte Bedingungen, um zu verdeutlichen, was ein Papagei nicht erleben sollte.
Gesetze variieren weltweit. Bevor Sie einen Papagei anschaffen, müssen Sie die spezifischen Gesetze Ihres Landes, Ihrer Region und Stadt recherchieren. In vielen Ländern ist das alleinige Halten eines Papageis, das Stutzen der Flügel oder die Verwendung eines zu kleinen Geheges illegal und strafbar. Wenden Sie sich immer an einen lokalen Vogeltierarzt oder eine Papageienschutzorganisation, bevor Sie einen Papagei kaufen.
Ein kompatibler Artgenosse
Papageien sind Schwarmtiere. Ein allein gehaltener Papagei leidet unter Einsamkeit, Verhaltensproblemen und ernsthaften Erkrankungen. Sie benötigen mindestens einen kompatiblen Begleiter — dies muss nicht dieselbe Art sein, aber ein Papagei, der in Größe und Temperament passt.
Ausreichend großer Lebensraum
Ein kleiner Käfig ist niemals ausreichend. Große Papageien benötigen eine geräumige Voliere, in der sie fliegen, klettern und ihre Flügel vollständig ausbreiten können. Die Käfigstäbe müssen horizontal verlaufen, um natürliches Klettern zu ermöglichen.
Volle Nutzung ihrer Flügel
Das Stutzen von Flügeln ist in vielen Ländern verboten und wird von Tierschutzexperten weltweit als schädlich angesehen. Papageien brauchen ihre Flügel, um körperlich und emotional gesund zu bleiben. Wenn ein Tierarzt empfiehlt, die Flügel Ihres Papageis zu stutzen — wechseln Sie sofort den Tierarzt.
Beschäftigung und artgerechte Ernährung
Frische Äste, Futtersuchspielzeug und Badegelegenheiten sind unerlässlich. Samen allein sind nicht ausreichend — frisches Obst, Gemüse, Sprossen und hochwertige Pellets sind täglich notwendig.
Eine lebenslange Verpflichtung
Selbst kleine Arten wie Wellensittiche, Nymphensittiche und Unzertrennliche können 25 Jahre alt werden. Größere Arten können 60–100+ Jahre leben. Einen Papagei nach Hause zu bringen ist kein Trend — es ist eine Verpflichtung, die ein Leben lang dauern kann und tägliche Zeit, Geduld und Respekt erfordert.
Bevor Sie kaufen oder adoptieren
- Tierschutzgesetze Ihres Landes, Ihrer Region und Stadt
- Die spezifischen Bedürfnisse der Papageienart, die Sie in Betracht ziehen
- Einen seriösen lokalen Vogeltierarzt oder eine Papageienschutzorganisation
- World Parrot Trust
- ARGE Papageienschutz (Österreich)
Echte Freundschaft mit einem Tier basiert auf Respekt, Wissen und Verantwortung — nicht auf einem kurzen, lustigen Video.
Band 2 liegt bereit
„Als das Zuhause nicht genug war“ ist die Geschichte von Liam und seinem Ara — 52 Seiten, genauso zu lesen wie dieses Buch, kostenlos. Trag deine Adresse ein, dann kommt der Link.
Der Klick in der Mail öffnet Band 2 und bestätigt gleichzeitig deine Adresse. Jederzeit abbestellbar.
Nach der Geschichte
Was sagt dir dieser Vogel?
Fünf Fragen. Die Antworten stehen alle in diesem Buch.
1 von 5
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Locker und aufgeplustert. Was sagt dir dieser Vogel?
Locker aufgeplustert heißt: alles in Ordnung.
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Und dieser? Dünn, eng am Körper.
Dünn und eng am Körper heißt: geh bitte einen Schritt zurück.
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Er drückt sich in die Ecke, die Federn eng, die Haube flach. Was braucht er?
So war Jonis erster Tag. Nicht ansprechen, nicht anfassen — nur Ruhe.
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Die Körnerschale ist voll. Reicht das als Futter?
Täglich frisches Obst, Gemüse, Sprossen und hochwertige Pellets. Körner allein machen krank.
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Ein Kakadu, ganz allein in der Voliere. Was fehlt ihm?
Papageien sind Schwarmtiere. Allein gehalten leiden sie.
Diese fünf Fragen ersetzen keinen Vogeltierarzt.
Diese Geschichte gibt es auch zum Anfassen
„Wenn das Video endet“ ist Buch 1 von fünf. Jedes erzählt eine andere Art, ein Tier falsch zu lieben — und wie es richtig geht. Jeder Kauf finanziert kostenlose Schulbesuche mit echten Papageien in Tirol.
Die Reihe ansehenOder die gedruckte Ausgabe vormerken — ohne Zahlung
- 1 · Wenn das Video endet
- 2 · Als das Zuhause nicht genug war
- 3 · Ein Herz, das zu viele Farben sah
- 4 · Als der Papagei ein bisschen Ruhe brauchte
- 5 · Liams Lied